Ich schreibe Ihnen nicht, weil ich Politiker oder Pressesprecher bin, sondern ein freiwilliger Wahlkampfhelfer der findet, das wer austeilt auch einstecken können muß. Ich selbst online-wahlkämpfe für die Leipziger Grünen und dies völllig freiwillig und unbezahlt in meiner Freizeit mit privaten Mitteln, ähnlich den in Ihrer letzten Sendung gepriesenen Obama Unterstützern.
Statt sich in Ihren Sendungen weiter über schlecht gemachte Netz-Wahlkampf -videos deutscher Parteien aus zu lassen, sollten Sie vielleicht einmal darüber nachdenken, ob neun Redakteure und zwei Asisstenten notwendig sind, um eine derart grottenschlechte Sendung, wie die Ihre vom 13.09.2009 zu produzieren.
Wenn sie sich vor Herrn Obama gern in den Staub werfen, steht Ihnen das natürlich frei. Was das allerdings in einem Computermagazin zu suchen hat erschließt sich mir nicht. Wenn bei uns in Deutschland alles so von Privatinitiative und Privatgeld abhinge wie in den USA, würde das nicht nur den Wahlkämpfern der hiesigen Parteien andere Strategien abverlangen, sondern mit Sicherheit auch Ihrem komfortabel aus GEZ-Gebühren finanzierten Produktionsteam.
Was Ihr Moderator und Herr Dr. Emmer in dieser Sendung abliefern ist herablassend, tendenziös, faktisch unrichtig und läßt auf Eigenblindheit Ihrer Redaktion schließen, denn wo findet sich die in Ihrer Sendung so vollmundig von den Wahlkämpfern eingeforderte Interaktivität bei Ihrem eigenen Online-Angebot?
Sicher gibt es Peinlichkeiten im deutschen Onlinewahlkampf, aber alles über einen Kamm zu scheren, außer den – entgegen der Behauptung in Ihrer Sendung - nicht einmal gut gemachten Internetaktivitäten der Piratenpartei, macht zwar deutlich welcher Wind in Ihrer Redaktion weht, hat aber mit gutem Journalismus (und erst recht mit Fachjournalismus) nichts zu tun.
Ich verzichte darauf, die von mir genannten Tendenzen und Unrichtigkeiten zu benennen, das zu wissen ist Ihre Arbeit.
Mit trotzdem freundlichen Grüßen
Jens Reichmann
Leipzig